Was ist MVP in der Softwareentwicklung?

In diesem Artikel werden wir die Bedeutung von MVP im Kontext der Softwareentwicklung erläutern, die Unterschiede zu anderen Konzepten wie dem Minimal Marketable Product (MMP) aufzeigen und wertvolle Tipps für die erfolgreiche Anwendung von MVPs in der Praxis geben.

In der rasanten Welt der Softwareentwicklung ist es entscheidend, effizient zu arbeiten und innovative Produkte schnell auf den Markt zu bringen. Hier kommt der Begriff "Minimum Viable Product" (MVP) ins Spiel, der aus der Lean-Start-up-Methode von Eric Ries stammt. Doch was genau verbirgt sich hinter dieser Abkürzung und wie beeinflusst sie die Produktentwicklung in Unternehmen?

Definition: Was ist MVP?

Die Abkürzung MVP steht für Minimum Viable Product. Ins Deutsche übersetzt bedeutet es in etwa so viel wie „minimal brauchbares Produkt“. Es handelt sich dabei um die erste minimal funktionsfähige Iteration von Produkten.

Ursprung und Zweck von MVPs

Der Begriff MVP stammt aus dem Lean-Start-up-Konzept von Eric Ries. Er wurde erstmals von Frank Robinson erwähnt und von Steve Blank und Eric Ries in Umlauf gebracht. Minimum Viable Product beschreibt kein Produkt im Sinne von Marktreife oder Marktwert, sondern vielmehr ein Artefakt, welches mit möglichst wenig Aufwand möglichst viel Feedback zur Validierung einer Hypothese liefern soll.

Kurz gesagt ist ein Minimum Viable Product also ein Artefakt, das nur die notwendigsten Eigenschaften, Voraussetzungen oder jene erforderliche Leistung erfüllt, um eine bestimmte Hypothese zu testen. Das Ziel besteht darin, mit minimalem Aufwand herauszufinden, wie gut potenzielle Kunden das Produkt oder Aspekte davon verstehen oder welche Änderungen sie wünschen.

Das Minimum Viable Product in der Softwareentwicklung

Im Kontext der Softwareentwicklung ist ein MVP eines Produkts also nicht notwendigerweise ein Stück Software; genauso könnte es auch eine Skizze auf Papier, eine Umfrage, ein Video, eine Landingpage, ein Click-Dummy etc. sein. Hauptsache, man kann mit minimalem Aufwand lernen, was das Richtige für den (potenziellen) Kunden ist.

Durch dieses rasche Feedback (potenzieller) Kunden beziehungsweise von AnwenderInnen kann die weitere Entwicklung konkret an deren Bedürfnisse angepasst werden.

Achtung, Verwechslungsgefahr - Minimum Viable Product (MVP) vs. Minimal Marketable Product (MMP)!

Im Internet kursieren unterschiedliche Definitionen - nicht selten wird der Begriff Minimum Viable Product missinterpretiert, nämlich als Produkt, das mit möglichst wenig Features am Markt möglichst viel Geschäftswert schafft. Hier spricht man dann vom „Minimal Marketable Feature(set)” (MMF) oder „Minimal Marketable Product” (MMP). Ein MVP hingegen konzentriert sich auf die Validierung von Ideen und kann auch ein Wegwerfprodukt sein, das lediglich dazu da ist, neue Erkenntnisse zu gewinnen. Hier geht es also ums Lernen!

 

Minimum Viable Product VS Minimal Marketable Product
Nicht notwendig Funktionalität Essentiell
Nutzer Feedback zur Produktidee Ziel Maximaler Geschäftswert mit minimalen Features
Neue Erkenntnisse und Anpassung an den Markt Resultat Einfaches Produkt mit wesentlichen Funktionen

  

Wie entwickelt man ein MVP?

 

Im Fokus steht das rasche Verifizieren von Behauptungen. Abhilfe schafft hier der „Build-Measure-Learn” Zyklus. Dieser funktioniert so: 

  1. Probleme oder Bedürfnisse der anvisierten Hauptzielgruppe werden eruiert und priorisiert.

  2. Der Mehrwert bzw. der zentrale Nutzen wird ausgearbeitet und dient als zentrales Element des Produkts.

  3. Die erste Version des MVP wird entwickelt. Dieser Schritt wird auch als „Build” bezeichnet.

  4. Das MVP wird präsentiert. Oft ist es sinnvoll, anfangs nur einen Teil der späteren Anwender zu involvieren.

  5. Das MVP wird von den Anwendern getestet und bewertet. Nun wird gemessen, inwieweit sich die Hypothese bewahrheitet hat („Measure”). Dies kann, je nach Ausprägung des MVPs, auf unterschiedlichste Arten, vollautomatisiert oder auch manuell geschehen. 

  6. Das Feedback bzw. die Learnings werden ausgewertet und in den nächsten Iterationen berücksichtigt („Learn”). Das ist auch der Zeitpunkt, um zu entscheiden, ob das MVP das Potenzial hat, weiterentwickelt zu werden oder besser verworfen bzw. durch ein anderes ersetzt werden sollte.

MVP - Build, Measure, Learn Zyklus

Was ist das Ziel eines MVPs?

Das Minimum Viable Product ermöglicht Unternehmen, eine Produktidee schnell an die Zielgruppe zu bringen und so zu vermeiden, dass uninformierte langfristige Entscheidungen getroffen werden. Durch den Einsatz eines Minimum Viable Products können große Risiken minimiert und schnell Änderungen am Produkt gemacht werden. 

Die Entwicklungsschritte werden durch laufendes Kundenfeedback festgelegt. So werden überflüssige Funktionen und aufwendige Prozesse verhindert und sichergestellt, dass der User ein Produkt bekommt, das auch wirklich den Anforderungen entspricht. Dadurch hat das Produkt eine größere Wahrscheinlichkeit, erfolgreich vom Markt angenommen zu werden.

 

Welchen Einfluss hat die Produktentwicklung auf den Unternehmenserfolg?

Führende IT-Experten und Führungskräfte teilen ihre Meinung.

Jetzt herunterladen

Beispiele für Minimum Viable Products (MVP)

In der Softwareentwicklung ist das Minimum Viable Product ein wichtiges Werkzeug, um Hypothesen schnell und effizient zu testen. Im Folgenden zeigen wir Ihnen drei anschauliche Praxisbeispiele für die Anwendung von MVPs.

Beispiel 1: Eine einfache App zur Aufgabenverwaltung

Ein Unternehmen möchte eine App zur Aufgabenverwaltung entwickeln, die sich durch innovative Funktionen von der Konkurrenz abhebt. Bevor das gesamte Produkt mit allen geplanten Features entwickelt wird, entscheidet sich das Team für den MVP-Ansatz.

Minimum Viable Product: Die erste Version der App enthält nur die grundlegenden Funktionen zur Aufgabenverwaltung wie das Hinzufügen, Bearbeiten und Löschen von Aufgaben. Die innovativen Funktionen werden zunächst zurückgestellt.

Ziel: Es soll das Kundenfeedback zum grundlegenden Konzept und zur Benutzerfreundlichkeit der App eingeholt werden, bevor es weitere Ressourcen in die Entwicklung der geplanten Innovationen investiert.

Beispiel 2: Eine Online-Plattform für Fachartikel

Ein Start-up plant, eine Online-Plattform für Fachartikel zu erstellen, die auf die Bedürfnisse von Wissenschaftlern und Experten zugeschnitten ist. Um das Interesse und die Anforderungen der Zielgruppe besser zu verstehen, entscheidet sich das Unternehmen für die Entwicklung eines MVP.

Minimum Viable Product: Die erste Version der Plattform besteht lediglich aus einer Landingpage, auf der Nutzer ihre E-Mail-Adresse hinterlassen können, um über den Fortschritt des Projekts informiert zu werden. Zudem enthält die Landingpage eine kurze Umfrage, in der die Nutzer ihre Wünsche und Anforderungen an eine solche Plattform angeben können.

Ziel: Das Start-up möchte herausfinden, wie groß das Interesse an einer solchen Plattform ist und welche Funktionen von den potenziellen Nutzern als besonders wichtig erachtet werden.

Beispiel 3: Ein intelligentes Lernsystem für Schüler

Ein EdTech-Unternehmen plant die Entwicklung eines intelligenten Lernsystems, das Schülern hilft, effizienter zu lernen. Da die Entwicklung einer solchen Software umfangreich und teuer ist, möchte das Unternehmen zunächst herausfinden, ob es eine ausreichende Nachfrage gibt und welche Funktionen am meisten gewünscht werden.

Minimum Viable Product: Das Unternehmen erstellt ein Click-Dummy, das die geplanten Funktionen des Lernsystems simuliert. Es handelt sich hierbei um eine interaktive Präsentation, die den Nutzern einen Eindruck von der zukünftigen Software vermittelt, ohne tatsächlich funktional zu sein.

Ziel: Es soll das Feedback von Schülern, Lehrern und Eltern eingeholt werden, um herauszufinden, ob das geplante Lernsystem auf Interesse stößt und welche Funktionen am meisten geschätzt werden. Die gewonnenen Erkenntnisse fließen dann in die weitere Entwicklung ein.

3 Tipps für die Arbeit mit MVPs, um ein Produkt effizient und ohne Fehlentwicklungen zu entwickeln

Überlegen Sie gut, was Sie testen bzw. lernen möchten

Ein MVP zu entwickeln, dass wirklich „minimal” ist, ist keine einfache Aufgabe. Die Kunst ist es, vorab Klarheit zu schaffen, welche Hypothese getestet werden soll. Erst dann wird festgelegt, mit welchem Minimum man ein Produkt schafft, dass das Testen der Hypothese ermöglicht. 

Die Wahl der Testgruppe kann entscheiden sein

Auch das beste MVP bringt nichts, wenn es die falschen Leute in die Finger bekommen. 

Es ist daher besonders wichtig, dass die Testgruppe möglichst repräsentativ aufgestellt ist und die zukünftigen Kunden umfasst. Nur dann ermöglichen es die Ergebnisse bzw. Erkenntnisse Rückschlüsse auf das zukünftige Kundenverhalten zu ziehen. 

Haben Sie keine Angst, ein MVP wegzuwerfen

Da der Zweck eines MVPs es ist, Annahmen bzw. Hypothesen zu testen, kann es durchaus vorkommen, dass das MVP in seiner Gesamtheit nach erfolgter Validierung nicht mehr benötigt wird. Wenn es seinen Zweck erfüllt hat und Sie Ihre validierten Learnings gewonnen haben, können Sie ruhigen Gewissens das MVP „wegwerfen” und sich auf die nächste Hypothese stürzen. 


Sie möchten beim nächsten Pitch so richtig überzeugen und Ihre Ideen kurz und knackig auf den Punkt bringen?

Dafür sollten Sie wissen, wie man eine Produktvision formuliert!

Jetzt herunterladen

FAQs

Häufig gestellte Fragen zum Minimum Viable Product (MVP)

Newsletter

Weitere interessante Artikel

Kontakt

Sie möchten sich unverbindlich über Ihr Softwareentwicklungs-Vorhaben austauschen? Erzählen Sie uns ein bisschen mehr!